Autor Thema: Die K-Jetronic  (Gelesen 193970 mal)

Offline Ragnolli

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #480 am: Dezember 02, 2019, 18:23:00 Nachmittag »
Kannst Du berechnen ob die Daten etwa zusammenpassen?
Schlitzbreite ist 0.12 mm, Höhe 5.0 mm, Messflüssigkeit: Petrol
Ich kann mal bei unseren Sachs Kollegen fragen, ob und wie sowas berechnet werden kann. Ob man mit so wenigen Parametern tatsächlich den Druckabfall schon berechnen kann? Keine Ahnung....  ::) Kavitations-Effekte aufgrund der Schlitz-Geometrie z.B. .....
Aber wenn es jemand wissen könnte, dann vielleicht unsere Berechner bei der Dämpfer-Fraktion. Das sollte eigentlich deren täglich Brot sein - irgendwie so legen die ja die Dämpfkräfte auch aus für die Ventil-Voröffnungs-Bohrungen
Ich kann mal unverbindlich anfragen.

 ::) Ich hatte doch schon mal was berechnen lassen, was das Differenzdruckventil angeht. Je länger ich drüber nachdenke, eigentlich genau das, wonach du suchst..... und zwar die Kraft auf die Stahl-Membran bei einem Differenzdruck von 0,1 bar. Und daraus kann man dann ja eigentlich mit der Federsteifigkeit der Vorspannung auf die Änderung der Differenzdrucks rückschließen.....
Aber ob ich das noch mal wiederfinde...... das ist bestimmt 8 Jahre her.
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Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #481 am: Dezember 02, 2019, 19:29:45 Nachmittag »
Zitat
Schlitzbreite ist 0.12 mm, Höhe 5.0 mm, Messflüssigkeit: Petrol
Hi Oli,  die Kräfte an der Membran brauche ich nicht, die Federkraft lässt sich durch Tausch der Federn beliebig erhöhen 8)
Was ich wissen will ist ob die ermttelten Messwerte plausibel sind und zu den Steuerschlitzen passen:

dP 58.4 mBar  > 103 ml/min
dP 101.4 mBar > 142 ml/min
dP 120.5 mBar > 160 ml/min
dP 167.4 mBar > 200 ml/min
dP 198.8 mBar > 215 ml/min
dP 219.8 mBar > 231 ml/min
dP 263.1 mBar > 260 ml/min

Nachtrag: Die Steuerschlitze sind etwa 0.3mm tief und beidseitig scharfkantig.

Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #482 am: Dezember 05, 2019, 15:05:27 Nachmittag »
Neue Messung mit 0.14 mm Schlitzbreite:

dP 58.4 mBar  > 148 ml/min
dP 101.4 mBar > 205 ml/min
dP 120.5 mBar > 224 ml/min
dP 167.4 mBar > 270 ml/min
dP 198.8 mBar > 296 ml/min
dP 219.8 mBar > 315 ml/min
dP 263.1 mBar > 350 ml/min

gleich am spannensten Punkt bei 350 ml/min ist der Zähler abgestürzt :o
ich wollte noch eine Messung mit 300mBar Druckdiffernz machen.
Der Zähler läuft wieder, mir ist aber zu kalt um nochmal zu messen ;D

Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #483 am: Dezember 26, 2019, 19:09:49 Nachmittag »
Es hat ein wenig länger gedauert bis ich einen Schritt weitergekommen bin.
Da hat uns der/die Konstrukteure des sagenhaften Flux Kompensators doch noch einige Fallen gestellt.
In welcher Folge von Back to the Future hat der Professor die K-Jetronic als Flux-Kompensator aus dem DMC ausgebaut und weggeworfen?

Mit ein wenig verbreiterten Steuerschlitzen war das Resultat im erwarteten Rahmen.
Also habe ich Nägel mit Köpfen machen wollen und Schlitze mit 0.16 mm Breite hergestellt.
Grosser Frust beim Messen :o das Teil macht irgendwelche, im Momment, unerklärliche Dinge.
Nächster Schritt, mit der grossen Kelle anrühren und 0.2mm Breite Schlitze ausfeilen.
Frust noch grösser . . .  >:D >:D

Da war eine kleine Denkpause angesagt. . .
Da ich noch keine brauchbare Schnittzeichnung vom Mengenteiler hatte musste erst einmal gemessen und gezeichnet werden. Das hat ein wenig gedauert.
Dannach habe ich die Messwerte genauer angeschaut und mit schrecken festgestellt dass der Druck in der Oberkammer ab etwa 280 ml/min wieder ansteigt(Der Differenzdruck und zwangsläufig auch die Menge wird kleiner)
Beim Wandern ist mir dann die Erleuchtung gekommen ;D  ::) 8)
Ich bin denn zum Schluss gekommen dass da irgendwo der Durchfluss gedrosselt wird.
Mit Farbigen Markern habe ich die neue Zeichnung etwas malträtiert und bin fündig geworden.
Die kleinen unscheinbaren Stöpsel vom Differenzdruckventil haben nur etwa 0.9mm Durchmesser.
Da ist der Querschnitt kleiner als am Steuerschlitz, AUTSCH.
Da muss doch was zu machen sein, kurzerhand die Stöpsel ausgebaut und versucht aufzubohren.
Die Stöpsel sind härter als meine Bohrer aus dem Sortiment >:D >:D Kurz den kleinen Gasbrenner anfeuern und ausglühen. Dannach konnte mein Bohrer etwas ausrichten. Das Resultat war allerdings nicht befriedigend.
Die Ringfläche wurde sehr klein und etwas ausgefranst.

Da blieb mir nur noch meine, für solche Sachen zu grosse, Drehbank anzuwerfen und wenigstens einen angepassten Stöpsel zu drehen um sicher zu sein dass dass ich auf der richtigen Fährte bin.
Am neuen Stöpsel habe ich die Dichtfläche geläppt und beim Einbau auf ein, geschätzt, richtiges Überstehmass eingestellt.

Trotz Feiertag habe ich heute noch eine kurze Messung mit dem neuen Stöpsel durchgeführt.
Das Resultat war für mich eine grosse Erleichterung, Hurra wir haben den Weg für grössere Mengen gefunden ;D ;D
Die Messung war mit 0.20mm breiten Schlitzen und einer 1.2mm Bohrung im Stöpsel.
Mein Ziel waren 360 ml/min mit maximal 200 mBar Druckdifferenz; Ziel locker erreicht 8) ::)

Jetzt muss ich mir eine Garnitur Stöpsel anfertigen und einbauen. Dannach mit den Durchflussmengen messen ob ich die Schlitze gleichmässig verbreitert habe.
Dazu werde ich wieder einen Schritt zurück mit 0.16mm Schlitzen gehen.

Bild 2: Das sind die Bösewichte
Bild 1: Durchflussmengen bei vollem Querschnitt mit verschiedenen Schlitzbreiten

PS: Der für diese Experimente verwendete Mengenteiler war urspünglich für AUDI QUATTRO Turbo 2.2 vorgesehen. Was machen die Audi Bastler wenn sie den Ladedruck erhöhen???
PPS: Meine Sammlung an Spezialwerkzeugen für die Mengenteiler ist bereits etwas unübersichtlich geworden.

Offline Ragnolli

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #484 am: Dezember 27, 2019, 08:18:56 Vormittag »
Großartig! Martin - das ist faszinierend, was du da so fabrizierst!
Und das Wissen ist jetzt hier für alle Zeit gespeichert. Das Internet vergißt nicht!

Da ergeben sich für mich allerdings trotzdem noch einige Fragen:

- Wie hast du denn die Schlitze „gefeilt“?
- Könnte mit größeren Schlitzen Teillast und Leerlauf zum Problem werden?
- muss ich jetzt unseren 8-Zylinder Mengenteiler wegschmeißen?

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Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #485 am: Dezember 28, 2019, 12:32:06 Nachmittag »
Hi Olli
Deinen Mengenteiler würde ich nicht wegschmeissen, falls Du den nicht mehr brauchst schlachte ich den gerne ;D
Zitat
Und das Wissen ist jetzt hier für alle Zeit gespeichert. Das Internet vergißt nicht!
Wenn ich im Internet handfeste Infos zur K-Jetronic suche, lande ich immer wieder auf dieser Seite >:D

Zitat
Da ergeben sich für mich allerdings trotzdem noch einige Fragen:

- Wie hast du denn die Schlitze „gefeilt“?
- Könnte mit größeren Schlitzen Teillast und Leerlauf zum Problem werden?

Mein Favorit zur Schlitzbearbeitung nennt sich Borcarbid, das soll beinahe so hart wie Diamant sein.
Das dünnste "Schleifpapier" das ich gefunden habe ist mit 0.225 mm zu Dick für diesen Spass.
Das Mittel hat auch noch andere, für mich nicht nutzbare, Eigenschaften;
Zitat aus Wikipedia:
Zitat
Borcarbid ist ein effektiver Neutronenabsorber und wurde z. B. bei der Katastrophe von Tschernobyl in den explodierten Reaktor abgeworfen, um die Kettenreaktion einzudämmen.

Ich muss mir allerdings noch eine Vorrichtung bauen damit beim bearbeiten die Kanten nicht abrunden und die Schlitze gleichmässig breiter werden.
Ich habe sogar in betracht gezogen eine Dekupiersäge für diese Fummelei zu missbrauchen.


Ob Teillast und Leerlauf ein Problem wird muss noch erforscht werden.

Gestern bin ich noch ganz überraschend zu einem Mengenteiler Oberteil gekommen 8)
Da sind doch tatsächlich Ventilröhrchen mit 1.5mm Innendurchmesser verbaut ::) ::)
Da war ich mit 1.2mm scheibar zu vorsichtig. Dafür kann ich mir das selber drehen ersparen.

Mindestens dieses Teil für die Mengenerhöhung müsste bei Bosch irgendwo in einem Regal verstaut sein.
Ich nehme an dass irgendwo bei Bosch auch brauchbare Schlitzträger verfügbar wären.
Aber die werden die Teile nicht hergeben. Sogar die Einstellscheiben für den Systemdruck können als Ersatzteil nicht bestellt werden.

Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #486 am: Dezember 29, 2019, 16:03:13 Nachmittag »
Nächstes "Problem"

Ich habe Messungen mit gebrauchten, sprich geschrotteten, Einspritzventilen durchgeführt.

Ein neues, frisch ausgepacktes EV erreichte am Kaltstartventilanschluss 440 ml/min bei 5.6 Bar Staudruck.
Das EV brauchte allerdings einen Druckstoss mit 7.1 Bar um überhaupt zu öffnen.

Die schrottigen, äusserlich neuen, Ventile brachten nur 12 bis 98 ml/min >:D
Da wollte ich rauskriegen wo das Problem besteht.
Das der länge nach aufgeschnittene Ventil war zwangsläufig mit Frässpänen gefüllt.
Das nächste Ventil habe ich soweit abgedreht dass ich den Feinfilter herausziehen konnte.
Der sieht allerdings etwas zugepampt aus.
Die Pampe stammt vermutlich aus einem gebrauchten Mengenteiler den ich vor der Zerlegung messen wollte.

Hat jemand eine brauchbare Lösung um den Filter im Einspritzventil zu reinigen?
Ultraschall und einlegen über lange Zeit bringt auch nicht wirklich eine Besserung da die Pampe vor dem Filter liegen bleibt und beim messen den Filter gleich wieder verstopft.

Das ist natürlich nur ein Problem wenn nicht Stapelweise neue Teile herumliegen.
Da die neuen Teile nicht gerade billig sind würde ich gerne diese Dinger wieder brauchbar machen.
« Letzte Änderung: Dezember 29, 2019, 16:07:01 Nachmittag von R5T2 »

Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #487 am: Januar 02, 2020, 14:36:02 Nachmittag »
Das ausgebaute Siebchen habe ich sauber gekriegt.
Mal sehen ob das auch eingebaut funktioniert.

Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #488 am: Januar 08, 2020, 15:20:50 Nachmittag »
Gute Nachricht: Die Siebchen lassen sich auch ohne zerlegen des Einspritzventils reinigen 8)
Schlechte Nachricht: Die ganze Übung ist etwas sehr aufwendig ???

Ich habe die ganze Aktion mit 4 Kandidaten durchgeführt.
Resultat: Die Durchlassmengen sind deutlich höher als vor der Reinigung.
Nr1 hatte vor der Reinigung 36 ml/min, nach der Reinigung 464 ml/min das Spritzbild wurde allerdings nicht viel besser.
Die anderen 3 Kandidaten haben nach der Reinigung 465 bis 500 ml/min Durchgang und ein brauchbares Spritzbild.
Das erste Mittel das ich angewendet habe war Motorradreiniger, das Zeugs ist vermutlich etwas zu stark und verursacht stellenweise Korrosion.
Dannach habe ich die Dinger mit Petrol in das Ultraschallbad gelegt und mehrmals 10 Minuten Ultraschall einwirken lassen.
Dann habe ich die Dinger 2 Tage ohne Ultraschall im beheizten Petrol liegen lassen.

Heute habe ich die Einspritzventile mit Petrol rückwärts gespült und den maximalen Durchfluss gemessen.

Was ich alles gebraucht habe:
Drehbank um aus alten Ventilen Federteller zu gewinnen
Stereomikroskop (ohne geht das nur mit sehr guten Augen)
SMD Pinzette
WireWrap Draht (0.25mm Durchmesser)
Selbstgebogene Drahtklammern (besser sind die Originalen Federtellerchen)
Ultraschallbad
Viel Petrol
K-Jetronic Testaufbau

Da die Ventile nicht elektrisch betätigt werden können muss etwas Gewalt angewendet werden dass der Durchgang auch Rückwärts frei ist.
Reihenfolge :
1: Das Ventil mit Pinzette ein wenig herausziehen
2: Wire Wrap Draht um den Schaft wickeln und verknoten
3: Federteller einhängen
4: Draht ausfädeln
5: Reinigen
6: Spülen

Da bekanntlich Bilder sehr beliebt sind:
Bild 1: Diese Klammer kann ich nicht weiterempfehlen
Bild 2: das sind die richtigen Federteller
weitere Bilder; das ganze Gefummel um das Ventil offen zu halten
Letztes Bild: Es wurden verschiedene Federteller verbaut, nicht alle sind geeignet.
« Letzte Änderung: Januar 08, 2020, 15:24:49 Nachmittag von R5T2 »

Offline R5T2

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Re: Die K-Jetronic
« Antwort #489 am: Januar 08, 2020, 15:22:19 Nachmittag »
Die restlichen Bilder: