Autor Thema: Überholung Anbindung Bremspedal – Bremskraftverstärker  (Gelesen 676 mal)

Offline lecar5

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Überholung Anbindung Bremspedal – Bremskraftverstärker
« am: Dezember 30, 2020, 23:09:00 Nachmittag »
Hi all,

beim Kundendienst meines Autos hatte ich die Tage… ich kann mir ehrlich gesagt nicht so richtig erklären, warum eigentlich ???… das Bremspedal in der Hand. Naja, und das gefiel mir nicht, dreckig wäre das eine, das könnte man ja eben mal sauber machen, aber es war verrostet und irgendwie einfach schäbig :-\.





Nein, das soll wieder etwas ansehnlicher sein. Also zerlegen,



die Stahlteile zum Sandstrahler für die Vorbereitung zum Lackieren, und den Stössel zum Verzinker. Die Stahlteile grundiere ich mit seidenmatter Epoxy-Grundierung, nach 24h Trocknungszeit kann der Zusammenbau beginnen :). Die Grundierung und die Oberfläche ist so gut, dass ich auf einen Decklack ohne Bedenken verzichte. Das Pedalgummi wird gereinigt (für Gummi- und Kunststoffteile verwende ich gerne ganz normale Handwaschpaste und warmes Wasser), und mit Gummipflege wieder etwas geschmeidig gemacht, den Edelstahl-Rahmen poliere ich mit Ambassador, die Achse wird mit Schleifvlies poliert und mit Kupferpaste bau ich das Pedal in den Rahmen. Sieht richtig gut aus :).



Der Stössel fehlt noch, der war beim Verzinker. Ich entferne den Dorn und denk mir, nein, den brauche ich nicht mehr einbauen… durch den Druck beim Bremsen hat sich das Pedal in den Dorn und der Dorn in das Pedal eingearbeitet, statt 6mm Durchmesser hat der Dorn an den 4mm Schaftlänge, mit denen er die Kraft vom Pedal auf den Stössel überträgt, grad noch 5 mm Durchmesser :(. Wobei Durchmesser zu hochtrabend ist, der Querschnitt ist in diesem Bereich nicht rund sondern elliptisch. Das Auge im Pedal war bestimmt auch mal rund und hatte vielleicht 6,5 mm Durchmesser. Aber das war ein Mal. Vielleicht bei der Auslieferung vor fast 40 Jahren 8)... 100.000 km später ist halt alles etwas ausgelutscht.





Das bemerkenswerte: beim Fahren beziehungsweise beim Bremsen war von dem Spiel nichts zu merken. Zumindest erinnere ich mich nicht mehr daran… was eigentlich kein Wunder ist, die letzte Fahrt ist schon 5 Jahre her und, objektiv betrachtet, der Bremskraftverstärker hält den Stössel ständig unter Druck und presst den Dorn ins Pedal, von den circa 3 mm Spiel Dorn zu Auge war nichts zu spüren. Meine ich. Aber es ist wie immer, lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis ;D.
Abhilfe kann der Austausch des Dorns zum Beispiel durch eine 6mm Schraube mit Schaft bringen. Naja, zumindest ansatzweise, das ausgeleierte Auge im Pedal bliebe dennoch.
Also was tun? Ein Kugellager mit 6mm Innendurchmesser ist chic. Vorteil ist, dass ein Kugellager in sich mit radialen Kräften gut umgeht. Weiterhin verteilt sich die Kraft vom recht grossen äusseren Käfig von 18 mm auf eine grosse Fläche ins Pedal (sozusagen die Bohrkante des Auges im Pedal). Die 4mm Dicke des Lagers lässt sich im geschlitzen 6-Kant-Teil des Stössels auch gut unterbringen. Nachteil der Kugellager-Lösung: der Stössel zum Bremskraftverstärker muss ziemlich genau 90° zur Achse im Auge stehen. Dass das bei unseren zusammengeschusterten Kisten so ist, …ich kann mir es selbst nicht so richtig erklären, warum 8)… bezweifle ich.
Die logische Konsequenz ist also ein Gelenklager, das lässt zu den Vorteilen des Lagers auch eine nicht exakt senkrechte Ausrichtung des Stössels zum Auge zu. Das Gelenklager hat den weiteren Charme, dass der äussere Käfig nur 14mm Durchmesser hat. Das passt :)!
Flux in der Bucht zwei, sicher ist sicher ;D, solcher Lager (https://www.ebay.de/itm/Gelenklager-Gleitlager-GE-DO-ES-6-12-mm-Welle/293076311935?hash=item443cb59f7f:g:QIIAAOSwAWNc0bH9) geschossen, eine 6mm Imbus-Schraube samt Unterlegscheiben und Stopp-Mutter bereitgelegt und los geht’s!



Mit einer Rundfeile egalisiere ich die Kante im Auge des Pedals, und mache aus dem ausgelutschten Langloch ansatzweise ein rundes Loch. Das deshalb, um den Schälbohrer einigermassen zu positionieren.
Mit einem Permanent-Marker markiere ich mir 13 mm auf dem Schälbohrer, schliesslich gibt es nur einen Versuch: das Lager wird ins Pedal eingepresst.



Ist das Auge zu gross wird’s blöd beziehungsweise mit dem einpressen des Lagers essig. In der Handwerkslehre nannten wir so etwas dann Wurfpassung, da man das eine Teil in das andere rein- und beide Teile zusammen direkt im Anschluss dann wegwerfen konnte ;D. Heute wird’s keine Wurfpassung, es sieht richtig gut aus :):







Mit einer 10er und einer 13er Nuss geht‘s auf die Presse



und pfeifend zurück zum Schraubstock zum Zusammenbau.



Zwei Beilegscheiben direkt am Gelenklager gleichen den Abstand zum geschlitzten 6-Kant-Teil des Stössels aus, zwei weitere aussen am 6-Kant sind obligatorisch. Als Lagerfett fürs Pedal nehme ich Kupferpaste, im Pedal sind Gleitlager eingepresst, wahrscheinlich wäre eine Schmiere - auf Schwäbisch: Karrasalb = Wagensalbe ;) - gar nicht nötig. Aber es soll ja wieder 40 Jahre halten.





Fertig :)!



Zum Aufwand:
Material knapp 6 Euro fürs Lager, pluss 1 6mm Schaft-Schraube mit 4 Scheiben und 1 Stoppmutter. Die Sandstrahl-Arbeit ging im grossen Paket, einzeln für Pedal und Rahmen vielleicht 5 Euro. Grundiert habe ich die Teile ebenfalls im Paket.
Zeit: Zerlegen, Lager einbauen und Zusammenbau rund 1 Stunde. Zuzüglich Grundierung und Trocknungszeit.

Ob und wie sich die ganze Arbeit auf den Fahrkomfort auswirkt wird sich zeigen. Ich gehe aber schon davon aus, dass die jetzt nicht mehr ausgeleierte Anbindung positiv zum Fahrgefühl beiträgt.

Stay tuned!

LeCar5
« Letzte Änderung: Dezember 30, 2020, 23:18:04 Nachmittag von lecar5 »
Schwaben haben einen Nachteil: es gibt zu wenige!

Offline Mister H

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Re: Überholung Anbindung Bremspedal – Bremskraftverstärker
« Antwort #1 am: Dezember 31, 2020, 13:37:16 Nachmittag »
Hi, sehr schlau studiert, tolle Reparatur...

... Aber beim bremsen könnte man nichts großartig merken weil das die Kupplungspedal ist.  ;)

Offline lecar5

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Re: Überholung Anbindung Bremspedal – Bremskraftverstärker
« Antwort #2 am: Dezember 31, 2020, 15:50:55 Nachmittag »
Boah - es braucht echt 55 Aufrufe, bis endlich jemand bemerkt, dass es sich um das Kupplungspedal handelt :o? Und ich dachte immer, hier sind Experten unterwegs 8)!

Spässle :)!
Echt jetzt, das Kupplungspedal, nicht das Bremspedal ;D?! Echt, Mann ;D? Ich fall vom Stuhl... ;D ;D ;D! So lange ist das also schon her, dass ich das Dingen ausgebaut habe... 8)
Also, wie auch immer, jetzt gilt nur noch: nicht lesen, was ich schreibe, sondern verstehen, was ich meine ;D!
Trotzdem und grad deswegen euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

LeCar5
« Letzte Änderung: Dezember 31, 2020, 15:52:47 Nachmittag von lecar5 »
Schwaben haben einen Nachteil: es gibt zu wenige!

Offline Mister H

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Re: Überholung Anbindung Bremspedal – Bremskraftverstärker
« Antwort #3 am: Dezember 31, 2020, 16:02:13 Nachmittag »
Naja, es hat auch nicht Jeder sein Auto soweit zerlegt das er die Brems und Kupplungsmechanismus unterscheiden kann.
Hauptsache top Reparatur. Das gleiche Problem hatte ich auch, habe eine Kupferbüchse angefertigt (AP Kupplung ist wesentlich härter).
Deine Lösung finde ich noch besser. Werde ich nachmachen wenn die Büchse ausgeschlagen ist.