Autor Thema: RetroClassics Stuttgart 2019  (Gelesen 2473 mal)

Offline lecar5

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RetroClassics Stuttgart 2019
« am: März 11, 2019, 23:09:45 Nachmittag »
Hi Folks,

letztes Wochenende war wieder RetroClassics-Wochenende in Stuttgart… naja, und da es ja fast schon Tradition hat, dass ich hier kurz berichte und meinen Senf zum besten gebe, und da unser eigener Messeauftritt schon 10 Jahre her ist (wie die Zeit vergeht ???: https://www.renault5turbo.de/forum/index.php?topic=796.0) und überhaupt: so auch dieses Jahr ein paar Impressionen und mein vielleicht etwas kritischer Standpunkt zur Messe ;).

Das Tagesticket kostet online zwischenzeitlich 18, vor Ort gar 20 Euro. Ob das viel oder wenig ist sei dahingestellt, vor 10 Jahren gab es noch keine online-Option und das Ticket kostete 14 Euro. Also eine Preissteigerung von 6 Euro oder 43% binnen 10 Jahren oder linear auf die Jahre gebracht 4,3% p.a. :o. Bringe ich die Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland zum Vergleich zeigt sich, dass Oldtimer-Liebhaber bereit sind, für ihr Hobby auch deutlich über Gebühr zu bezahlen – der Verbraucherpreisindex ist von 2009 98,9 auf 2018 111,4 gestiegen, was einer Steigerung von 13% binnen 10 Jahren oder linear auf die Jahre gebracht 1,4% entspricht (https://www.finanz-tools.de/inflation/inflationsraten-deutschland). 4,3% im Speziellen zu 1,4% im Allgemeinen, das finde ich schon eine Ansage… Eigentlich aus einer Blödelei heraus habe ich vorgeschlagen, ein Auto ausserhalb der Messe zu Parken um nur für 1 Fahrzeug Parkplatz-Gebühr zu bezahlen. Im nachhinein zahlt es sich aus, auch in Schwaben Schwabe zu sein: 17 Euro von 9:00 bis 18.00 Uhr :o. Soll heissen, ohne dass Schwabe einen Most trinkt und eine Maultasche isst sind für den Messetag 35 Euro zu berappen.
Dafür wird natürlich etwas geboten. Bis auf eine Halle waren alle Hallen gefüllt. Auffällig dieses Jahr war, dass doch einige Standflächen mit Dingen belegt waren, die für mich nur mit wirklich ganz viel Phantasie mit dem Thema klassische Fahrzeuge in Verbindung zu bringen sind. An Stände, die Life-Style-Produkte wie Whirlpools oder schwülstige Möbel feilbieten mag ich mich vielleicht noch genauso wie die amerikanischen Barbiers gewöhnen können, aber bitte – was soll ein geschätzt 300 m² grosser Bundeswehr-Stand mit Jogis in Camouflage-Overalls auf einer Oldtimer-Messe :o?! Wahrscheinlich bin ich zu viereckig für diese Art des Cross-Sellings...

Autos gab es aber auch und tatsächlich massenweise, wenngleich die tollen Geräte wie beispielsweise der ‚Mampe‘-SLC dieses Jahr meiner Ansicht nach unterrepräsentiert waren.



Über die Landplage Porsche und Mercedes komme ich wahrscheinlich nicht herum zu berichten, 1/3 der ausgestellten und angebotenen Autos der beiden Marken wäre längst genug. Wahrscheinlich ist dies ein regionales Thema, in Bremen, Köln oder auch in Essen sieht’s bestimmt anders aus. Darunter gibt’s auch stimmige Konzepte, zu RestroMods mag man stehen wie man will, ich finde, die Dinger haben Stil :). Mich sprechen sie an.





Alpina-BMWs gab es auffällig viele, bemerkenswerterweise viele in weiss… mein Favorit wäre der C2 2,7.






Der Corvette-Geiger hatte einen wirklich riesengrossen Stand, schätzungweise 1/3 einer Halle. Nicht nur, dass er einiges an Autos zeigte, er hatte mit der Gulf-Tankstelle wie ich finde auch einen tollen Auftritt :)- im Bild ist er übrigens rechts zu sehen.



Einen wirklich verschwenderischen Stand hatte ein Partner, der Unterstell- und Erhaltungsservice anbietet, quasi wellness fürs Auto. Wenn auch zwei tolle Exponate geboten waren, zwei Autos auf geschätzt 200 m² zeigen eindeutig, dass es weniger ums Auto als ums Geschäft geht.



Mercedes kann sich natürlich beim Heimspiel nicht lumpen lassen, Blitzen-Benz, Silberpfeil und CLK Gruppe C (?) stehen für 125 Jahre Motorsport. Schön war die Art, wie die verfügbaren Ersatzteile für den 190 SL repräsentiert waren.



Toll waren auch die Gespanne, die einfach und wirksam in Szene gesetzt sind. Mit wenig Requisiten ist eine Start-Aufstellung nachgestellt, die keine weitere Dekoration benötigt - Daumen hoch :)!



Kunst gab’s auch, sowohl klassisch als auch handwerklich.





Nochmals BMW, dieses Mal ohne Alpina. Da ich mich mit dem Typ e30 ein bisschen beschäftige und etwas über die aktuell aufgerufenen Preise war ich doch sehr über die selbstbewussten Preisvorstellungen der auf der Messe angebotenen Autos verwundert…

325i Cabrio last edition, rund 50 tkm in toller Farbkombi Macaoblau Metallic/weiss und bestimmt sehr gutem Zustand – 75 kEUR :o!



M3 Evolution, 145 tkm ebenfalls in Macaoblau Metallic, 111 kEUR :o!



Auch das hier lässt Raum für Interpretation. Zumindest dahingehend, ob das fertige Ergebnis tatsächlich noch Oldtimer oder doch schon RestoMod ist… Porsche 356 pre-A, Preis inklusive Restauration auf Anfrage.



Zu Ford kann man stehen wie man will, der hier ist cool:




Porsche sind auf der RetroClassic wirklich eine Plage. Das Porsche-Museum ist dennoch immer ein Hingucker, dieses Jahr feiert der 917-001 zum zweiten Mal Premiere (https://www.auto-motor-und-sport.de/oldtimer/porsche-917-001-retro-classics/)



Und die Porsche-Männer und -Frauen lassen sich immer etwas einfallen, dieses Jahr war es der virtuelle Aufbau eines 356 für die Kids. Der junge Herr ist gerade mit der Lackierung beschäftigt:



Von dieser Guilietta SZ hier habt ihr vielleicht kürzlich gelesen (https://www.auto-motor-und-sport.de/oldtimer/alfa-romeo-giulietta-sz-1962-garagenfund-turin/)    



Leider konnte das Auto nicht richtig wirken, es war förmlich eingepfercht zwischen all den Ferraris auf dem Stand – ein weiteres Indiz, woran man erkennt worum es bei der RetroClassic tatsächlich geht: ums Geschäft bzw. ums Geld. Die Stände sind teuer, also packen die Händler so viel drauf als möglich. Natürlich verständlich, dennoch einfach nur schade – weniger wäre auch in diesem Fall mehr.

Was gab es sonst noch? Ach ja, die Alpine Freunde hatten eine neue 110er stehen, ein schönes Auto wie ich meine.



Und Schönes gab es für denjenigen Jungen im Mann, der sonst schon alles hat. Die Sessel hier sind klasse und und für mich absolut richtig auf einer Messe für klassische Fahrzeuge – da sie das Thema Auto letztlich nur konsequent zu Ende denken.



Bei dem Kicker hier bin ich mir da nicht so sicher :-\...



Spielt für mich in dem Fall keine Rolle, den find ich einfach geil :)! Vielleicht wegen dem Schreiner in mir…

Fazit: wie wünsche ich mir doch die Zeit zurück, als die RetroClassics noch auf dem alten Messegelände am Killesberg war. Die Messe war seitens der Gebäude-Infrastruktur eine völlige Katastrophe, nicht improvisiert aber total imperfekt. Da gab es noch die kleinen Händler zuhauf, die sich einen Messeauftritt leisteten, da gab es noch die Möglichkeit, pfiffiges Werkzeug und gute Pflegeprodukte in wirklich guter Qualität zu vernünftigem Geld zu kaufen. Heute ist die Messe fast nur noch versnobbt, mir scheint als dass das Thema klassische Fahrzeuge den Zenit überschritten hat und in Dekadenz verfällt. R5MaxiTurbo und sich sind uns einig: klar gab es das eine und andere Highlight, der richtige Brenner aber fehlte. Die Clubs, die die Messe einst ausmachten werden jährlich weniger, die freigewordenen Flächen werden durch grosse Hersteller oder Händler belegt, die perfekt restaurierte oder ungerechtfertigt teure Autos  ausstellen und anbieten. Patinierte Fahrzeuge sucht man fast vergebens, selbst Vorkriegsfahrzeuge haben perfekte Lackoberflächen mit Glanzgraden, die einem Spiegel gleichen. Handwerkskunst wie beispielsweise perfekte Sattlerarbeiten oder Blechbearbeitung gibt es nach wie vor noch, der Trend geht zum Erhalt der originalen Substanz. Dementsprechend tummeln sich immer mehr Dienstleister, die sich beispielsweise um die Aufbereitung verschlissener Lederausstattungen kümmern. Ob die Ergebnisse langfristig von Dauer sind bleibt offen – mir scheint, als ob es mehr um den schnellen Euro als um Beruf aus Berufung und Leidenschaft geht. Das Oldtimer-Klientel ist interessant, das Geld sitzt locker und das Preisniveau in jeglicher Hinsicht ist hoch. Ob es der Leder-Klinik tatsächlich um die Qualität ihrer Produkte geht vermag ich nicht zu beantworten, das Auftreten jedenfalls gleicht eher der Belegschaft eines SPA-Hotels...
Vielleicht liegt es auch daran, dass wir mittlerweile zu viel gesehen haben und einfach satt sind. Vielleicht aber ist auch ein Szenenwechsel nötig –Auto d’Epoca in Padua oder AutoMotoRetro in Turin bieten möglicherweise die vermisste Hemdsärmligkeit. Italienische Lebensart jedenfalls wäre sicher. Und teurer als Stuttgart können sie kaum sein.

CU, LeCar5
« Letzte Änderung: März 11, 2019, 23:20:15 Nachmittag von lecar5 »
Schwaben haben einen Nachteil: es gibt zu wenige!

Offline Timmy671

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #1 am: März 12, 2019, 07:22:58 Vormittag »
Hallo Hubsy,
vielen Dank für den tollen Bericht.
Über den 325 Cabrio wurde auch schon in den sozialen Netzwerken berichtet. Ich denke der Händler ist nicht unbekannt für seine etwas überhöhten Preise.

Gruss Timmy
Turbo-Fever 2011 Vize-Sieger

Offline Ragnolli

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #2 am: März 12, 2019, 11:09:23 Vormittag »
Danke Hubsy,
SEEHR schöner Bericht der vielen Lesern vermutlich in den nächsten Jahren wieder viel Sprit, Parkgebühren und Eintritt für Bremen, Essen, Stuttgart, etc....  spart ;D

Alles was mal den Leuten richtig Spaß gemacht hat, die sich die Finger dreckig gemacht haben und sich z.B. ein Hobby vom Munde abgespart haben, wird irgendwann vom Geld für sich entdeckt.
So wie die VLN auch mal Breitensport war...
So wie Berlin-Prenzl'berg mal cool war (bis die Schwaben es füch sich erntdeckt haben.....).....  ;D
und, und...

Danke, Olli

Lieber spektakulär letzter als übermotiviert ZWEITER!!!
Lieber "Eddie the Eagle" als "Tonya Harding" !!!

Offline Devil

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #3 am: März 12, 2019, 17:22:09 Nachmittag »
Hallo Hubsy,
schöner Bericht, ich war am Samstag da und habe mich hinterher gefragt für was eigentlich. Billig Werkzeuge für teures Geld usw. Und was 2 neue Alpine auf der einer Oldtimer Messe machen weiß ich auch nicht recht.
Liebe Grüße Bernd

Offline tempusfugit

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #4 am: März 12, 2019, 21:16:33 Nachmittag »
Danke Hubsy,
danke für die geile objektive Zusammenfassung.
Geh doch nächstes Jahr wieder, Deine Eindrücke und Bilder sind immer wieder spannend zu lesen. Auch Daumen hoch :) :) :)

Offline godsey

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #5 am: März 12, 2019, 21:58:42 Nachmittag »
Hi,

ich war dieses Jahr auch kurz dort, obwohl ich mir letztes Jahr schon sicher war, mal ne kleine Pause zu brauchen.

Ich will gar nicht bestreiten, das auch unter objektiven Gesichtspunkten eine Verschlechterung stattfindet. Aber nach über 10 Jahren lückenlosem Besuch ist ja klar, dass man irgendwann halt alles, was man toll findet, schon mal gesehen hat. Den Delta S4, einen Stratos, ein BMW M1 Procar etc. kann man halt nur einmal im Leben zum ersten Mal sehen oder anfassen.


Meinem 11-jährigen Sohn dagegen hat es super gefallen, er hat bestimmt 100 Fotos gemacht. Allerdings waren da kaum alte Autos dabei, da zählen nur Murcielago, Aventador, SLS, SLR und so weiter.


Den Namen "Retro Classic" hat die Messe eigentlich nicht mehr verdient. "Car Porn" wäre treffender.


Einen Turbo haben wir zum ersten Mal gar nicht gefunden. Allerdings fuhr draussen ein weißer Turbo2 mit schwarzen Felgen vorbei. Weiß jemand wer mit dem Dicken dort war? Vielleicht der Gruber?


CU
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Offline meahb

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #6 am: März 13, 2019, 08:16:35 Vormittag »
Toller Bericht, tolle Fotos, klare Empfindungen..........Die sich mit meinen Erfahrungen der letzten norddeutschen Messen decken!... 

Alle Jahre dieselben Aussteller an den selben Orten mit der gleichen Ware, die jedes Jahr gerne 20 -50% teurer wird.
Nur die ausgestellten Autos werden immer langweiliger oder wir immer satter....  siehe hubsi...

Ladedruck ist das Zauberwort!
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Offline lecar5

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Re: RetroClassics Stuttgart 2019
« Antwort #7 am: März 14, 2019, 12:25:00 Nachmittag »
Schwaben haben einen Nachteil: es gibt zu wenige!